Über das Pfadfinden

Geschichte der Pfadfinderbewegung

Der Gründer

Der Gründervater der Pfadfinder ist Sir Robert Baden-Powell of Gilwell – das hört sich sehr hochgestochen an, aber wenn man bedenkt, dass Baden-Powell nur für seine Verdienste in der Pfadfinderei geadelt wurde, erscheint es in einem anderen Licht.

Baden-Powell war Offizier in den englischen Streitkräften in einer Zeit, die uns sehr fern erscheint, obwohl sie gerade mal knapp hundert Jahre zurückliegt: In der Kolonialzeit. So diente Baden-Powell u.a. in Indien.

Dort übertrug man Baden-Powell die Ausbildung von Jungen zu Scouts, die gegnerische Stellungen nach „Trapper-Art“ auskundschaften sollten. Dabei stellte er fest, dass die Jungen ihre Aufgaben stets dann besonders gut erledigten, wenn sie die Möglichkeit bekamen, eigenverantwortlich zu handeln.

Der Weg zur heutigen Pfadfinderbewegung

In der Ausbildung dieser Scouts – oder Pfadfinder wie wir heute sagen – legte Baden-Powell keinen Wert auf Drill, sondern auf Erklären des Sinns der jeweils übertragenen Aufgabe. In der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende war dies ein Riesenschritt in der Pädagogik.

Eine weitere Neuerung war das „Learning by doing! das Lernen durch Tun, durch das jeder seiner Schützlinge seine eigenen Erfahrungen machen sollte. Baden-Powell überzeugte vor allem dadurch, dass er seinen Schützlingen in allen Situationen stets ein Vorbild gab.

Während eines weiteren Auftrages in Afrika schrieb Baden-Powell seine Erfahrungen in der Ausbildung seiner Scouts im Buch „Aids for Scouting“ – Hilfe für das Pfadfinden – nieder. Dieses Buch war eigentlich als Ausbildungshilfe für die Offiziere der Armee gedacht, entwickelte sich aber ungeahnterweise zu einem Bestseller.

Baden-Powell wurde im Jahr 1899 zur Verteidigung der südafrikanischen Stadt Mafeking abgeordnet und trotzte in dieser Stadt mit List und Tücke den übermächtigen Angreifern: Dazu spielte Baden-Powell ihnen eine viel größere Zahl an Verteidigern vor, als tatsächlich in der Stadt waren, sodass sein Gegner nicht wagte anzugreifen.

Während der Belagerung machte er erneut die Erfahrung, dass sich vor allem Jungen (das soll jetzt keine Beleidigung für Mädchen sein, aber um die Jahrhundertwende wurden die Stärken von Jungen und Mädchen noch sehr unterschiedlich beurteilt) sich bewährten, wenn sie die Gelegenheit bekamen, eigenverantwortlich handeln können und in diesem Rahmen die Chance bekommen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Im Jahr 1900 wurde Mafeking nach einer Belagerung von fast 9 Monaten befreit. Während der Belagerung hatten englische Zeitungen stets von der Belagerung Mafekings berichtet und unversehens war Baden-Powell, vor allem unter den Jungen, in England zu einer Art Nationalheld geworden – und die Jungen kauften sich sein Buch „Aids for Scouting“. Baden-Powell hielt dies für bedenklich, denn sein Buch war ja eigentlich für Soldaten geschrieben worden, aber die Entwicklung war nicht mehr umzukehren und Baden-Powell entschloss sich zur Flucht nach vorne: Er plante ein weiteres Buch unter dem Titel „Scouting for Boys“.

Anfänge der Pfadfinderbewegung

Durch seine verschiedenen Verpflichtungen kam Baden-Powell erst 1907 dazu, sich diesem Projekt zu widmen. Um sicher zu gehen, dass seine auf Eigenverantwortung basierende Methode der Erziehung funktioniert, trommelte er 1907 insgesamt 22 Jungen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zusammen, die er auf der Insel Brownsea zum ersten Pfadfinderlager versammelte.

In dem ersten Pfadfinderlager legte er großen Wert darauf, dass die Jungen ihm stets freiwillig auf Grund seines guten Beispiels folgten und ihre Aufgaben selbst lösten – und das ist bis heute die Grundmaxime der Pfadfinderei geblieben. Baden-Powell erkannte in seiner Erziehungsmethode seine eigentliche Berufung und legte seine militärischen Ämter umgehend ab – mit 50 Jahren wurde Baden-Powell Leiter einer Jugendorganisation, welche später zu größten weltweit werden sollte!

Sein Buch „Scouting for Boys“ erschien 1907 in einzelnen Kapiteln in der Zeitschrift „The Scout“. Bereits 1909 lernte Baden-Powell auf einer Südamerika-Reise in Chile dortige Pfadfinder kennen, die sein Buch gelesen hatten und sich nach den von ihm aufgestellten Regeln als Pfadfinder fühlten. Gleichzeitig gründeten sich ähnliche Gruppen in Deutschland, England und der ganzen Welt. Jetzt erkannte Baden-Powell, was tatsächlich hinter seiner Idee steckte und fortan setzte er alles daran, aus der Pfadfinderbewegung eine weltumspannende Gemeinschaft zu machen. Ihm schwebte eine große Bruderschaft vor, vergleichbar mit den Ritterorden des Mittelaltes und so wählte Baden-Powell den Heiligen Georg zum Schutzpatron der Pfadfinder.

Im Jahr 1911 formierten sich in England die ersten Mädchengruppen unter der Bezeichnung „Girl Scouts“ und Baden-Powell nahm die Idee dankbar auf und setzte sich fortan gleichfalls für die Gründung von Pfadfinderinnen-Gruppen ein. Da man damals noch nicht an die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen zu denken wagte, entstand eine streng getrennte Organisation. Dies wirkt bis heute nach, denn es gibt einmal den Weltpfadfinderbund „WOSM“ (World Organization of Scouts Movement) und den Weltverband der Pfadfinderinnen „WAGGGS“ (World Association of Girl Guides and Girl Scouts).

Im Jahr 1912 lernte Baden-Powell seine Frau Olive kennen, die sich wie ihr Mann für die Idee der Pfadfinderei begeisterte und später Leiterin des Weltverbandes der Pfadfinderinnen wurde.

Auf dem ersten Weltpfadfindertreffen, einem Jamboree, das 1920 in London stattfand, wurde Baden-Powell zum ersten und einzigen „Chief Scout of the World“ ausgerufen. Bereits 1922 zählte die Pfadfinderbewegung über 1 Million Mitglieder in mittlerweile 32 Nationen. Auch die Pfadfinderinnen konnten schließlich, wie die Pfadfinder, ein eigenes Ausbildungszentrum ihr eigenen nennen: Diese, dem Gilwellpark der Pfadfinder vergleichbaren Einrichtungen wurden in Foxlease und Waddow Hall eingerichtet.

Für seine Verdienste um die Pfadfinderbewegung wurde Baden-Powell – oder Bi-Pi, wie die Pfadfinderinnen und Pfadfinder ihn auch heute noch liebevoll nennen – schließlich 1929 geadelt. Damals war Bi-Pi 72 Jahre alt und der Gilwellpark – auch heute noch eines der Zentren der Pfadfinder auf der Welt – wurde Bestandteil seines Namens: Sir Robert Baden-Powell of Gilwell.

Bi-Pi starb am 8. Januar 1941. Auf seinem Grabstein befindet sich ein Kreis mit einem Punkt drin. Es ist eines der Bantu-Zeichen, welche Pfadfinderinnen und Pfadfinder international nutzen, um sich Botschaften zukommen zu lassen, und es heißt:

„Ich habe meinen Auftrag erfüllt und bin nach Hause gegangen.“